[Editorial] Monatliche Grundgebühren, kostenpflichtige Apps, teure Agenturstunden. Wer einen Onlineshop betreibt, kennt das Spiel. Doch mit KI verändert sich gerade etwas Grundlegendes: Professionelle Shops lassen sich heute in wenigen Tagen aufbauen, ohne Programmierkenntnisse weiterentwickeln und mit erstaunlich geringen laufenden Kosten betreiben. Für viele Händler ist das eine echte Chance.
Auswertungen vom EHI Retail Institute und eCommerceDB, sowie Hochrechnungen auf Basis des Handelsverbands Deutschland (HDE) ergaben, dass 98,3 Prozent aller deutschen Onlineshops weniger als fünf Millionen Euro Umsatz im Jahr machen.
Diese Zahl lässt aufhorchen. Denn während auf Konferenzen gerne über die großen Player, Millionenbudgets und die nächste technologische Revolution gesprochen wird, sieht die Realität für die überwältigende Mehrheit der Onlinehändler anders aus.
Da geht es um Deckungsbeiträge, Liquidität, Retouren, steigende Werbekosten und die Frage, was am Ende des Monats tatsächlich übrig bleibt.
Genau deshalb lohnt es sich, einmal über einen Kostenblock zu sprechen, den viele Händler längst als selbstverständlich akzeptiert haben, die Technik ihres Onlineshops.
Hier 29 Euro, dort 79 Euro. Und plötzlich sind es unterm Strich viele tausende Euro im Jahr, die einfach so und oft eher unbemerkt vom Konto abgehen.
Ein Shopsystem für 39 Euro im Monat? Klingt erst einmal überschaubar.
Dann kommt die erste App für Produktbewertungen. Eine weitere für Upselling. Eine für Newsletter, eine für Bundles, eine für besondere Produktdarstellung. Vielleicht noch ein Kalkulator, eine B2B-Funktion oder eine Schnittstelle.
Die eine App kostet 19 Euro, die nächste 49 Euro und die dritte 99 Euro. Jede für sich genommen kein Drama.
Aber irgendwann laufen zehn oder fünfzehn solcher Anwendungen parallel. Und aus einer vermeintlich günstigen Shoplösung wird ein ordentlicher monatlicher Kostenblock.
500 Euro im Monat? Sind 6.000 Euro im Jahr. 800 Euro? Schon 9.600 Euro.
Und da sind Hosting, Zahlungsabwicklung, Marketing und externe Dienstleistungen noch gar nicht berücksichtigt.
Natürlich können solche Anwendungen sinnvoll sein. Wenn sie nachweislich mehr Ertrag bringen, haben sie ihre Berechtigung. Aber wie viele Händler wissen tatsächlich, welche ihrer Apps Geld verdienen und welche einfach nur Geld kosten?
Gerade jetzt, wo viele Händler auf jeden Euro achten müssen, gehört auch die technische Infrastruktur auf den Prüfstand.
Die teuerste Funktion ist die, nach der Du gar nicht erst fragst
Ich bin seit über 30 Jahren im eCommerce unterwegs und habe viele hunderte Unternehmerinnen und Unternehmer auf ihrem Weg in und im den Onlinehandel begleitet. In dieser Zeit habe ich eine Entwicklung immer wieder beobachtet.
Ein Händler hat eine gute Idee.
Vielleicht möchte er seinen Kunden einen Produktberater anbieten. Einen Kalkulator, der die Wirtschaftlichkeit eines Produkts zeigt. Eine individuelle Vergleichsfunktion. Oder einen besonderen Bestellprozess, der exakt auf seine Zielgruppe zugeschnitten ist.
Also fragt er seine Agentur.
Ein paar Tage später kommt das Angebot. 2.500 Euro. Vielleicht 5.000 Euro. Manchmal auch deutlich mehr und über zehntausend Euro.
Und plötzlich verschwindet die Idee wieder in der Schublade.
Das ist ein tatsächliches Problem, viele Händler fragen irgendwann überhaupt nicht mehr nach.
Nicht, weil ihnen die Ideen fehlen. Sondern weil sie längst gelernt haben, dass jede technische Veränderung Geld kostet.
So wird aus einem technischen Problem ein unternehmerisches.
Denn wenn gute Ideen nicht umgesetzt werden, weil ihre Realisierung zu teuer erscheint, leidet am Ende nicht nur der Händler. Auch seine Kunden bekommen weniger geboten.
Genau hier beginnt für mich die eigentliche Revolution durch KI.
Ein professioneller Onlineshop braucht heute keinen teuren Baukasten mehr.
Lange Zeit war die Entscheidung relativ einfach: Entweder man nutzte ein fertiges Shopsystem mit seinen Vorlagen, Apps und laufenden Gebühren. Oder man ließ sich eine individuelle Lösung entwickeln, was für viele kleinere Händler finanziell kaum infrage kam. Diese Trennung verliert zunehmend ihre Bedeutung.
Mit KI lassen sich heute Shops entwickeln, die in Sachen Design, Benutzerführung und Funktionalität absolut auf der Höhe der Zeit sind.
Und ich spreche ausdrücklich nicht von den lieblosen Baukastenseiten, bei denen man schon nach drei Sekunden erkennt, welche Standardvorlage verwendet wurde.
Ich spreche von modernen, responsiven Onlineshops mit individuellen Produktseiten, durchdachter Navigation, professionellem Checkout und Funktionen, die auf das jeweilige Geschäftsmodell zugeschnitten sind.
Ein KI-generierter Shop muss heute nicht mehr wie ein Kompromiss aussehen. Er kann State of the Art sein.
Natürlich entsteht Qualität nicht automatisch, nur weil irgendwo KI eingesetzt wird. Auch KI kann schlechte Shops produzieren. Entscheidend sind das zugrunde liegende Konzept, die Anforderungen, die Qualität des Codes und die Tests.
Aber die technische Möglichkeit, professionelle Shops zu einem Bruchteil des bisherigen Aufwands zu entwickeln, ist längst vorhanden. Und sie wird von Monat zu Monat besser.
Von der Idee zum fertigen Shop in wenigen Stunden
Besonders interessant wird diese Entwicklung, wenn man KI nicht jedes Mal bei null anfangen lässt.
Genau diesen Ansatz verfolgen NoCode- und KI-Shopsysteme wie Vibemerce.
Statt einen kompletten Shop mit allen notwendigen Funktionen mühsam selbst zu entwickeln, startet man mit einem fertigen KI-basierten Shopsystem. Produkte, Kategorien, Warenkorb, Checkout, Kundenverwaltung, Administration und viele weitere Funktionen sind bereits vorhanden.
Der Betreiber muss also nicht erst verstehen, wie man eine Datenbank programmiert oder einen Checkout entwickelt. Er kann sich auf das konzentrieren, worauf es im Handel eigentlich ankommt: seine Produkte, seine Kunden und sein Geschäftsmodell. Ein einfacher Shop kann so bereits innerhalb weniger Stunden startklar sein. Umfangreichere Projekte benötigen entsprechend mehr Zeit.
Und das ohne monatliche Lizenz- oder Systemgebühren.
Natürlich bleiben Kosten für Hosting, Domain, Zahlungsdienstleister und gegebenenfalls weitere externe Dienste. Ein Onlineshop ist schließlich keine kostenlose Infrastruktur.
Aber das Geschäftsmodell verändert sich. Statt dauerhaft für den Zugang zu einem Shopsystem und immer neue Erweiterungen zu bezahlen, kann der Händler mit einer eigenen Lösung arbeiten, die er selbst weiterentwickeln lässt.
Du möchtest eine neue Funktion? Dann bau sie doch einfach ein.
Hier liegt für mich der größte Fortschritt. Früher musste sich der Shopbetreiber fragen: Was kostet mich diese Funktion? Heute kann er sich zunächst fragen: Was würde meinen Kunden wirklich helfen? Das ist ein gewaltiger Unterschied.
Stell Dir vor, Du verkaufst hochwertige Sportgeräte und möchtest Deinen Kunden einen Finanzierungsrechner anbieten. Oder Du verkaufst Möbel und möchtest einen Konfigurator, mit dem Kunden verschiedene Ausführungen kombinieren können. Vielleicht möchtest Du auch einen interaktiven Produktberater entwickeln, der anhand weniger Fragen das passende Produkt empfiehlt.
Früher waren solche Funktionen häufig mit Agenturprojekten, Angeboten, Abstimmungsschleifen und zusätzlichen Budgets verbunden. Heute kannst Du viele davon mit KI selbst umsetzen.
Du beschreibst, was die Funktion leisten soll. Die KI unterstützt Dich bei der technischen Umsetzung. Du testest das Ergebnis und verbesserst es Schritt für Schritt.
Dafür musst Du kein Programmierer sein.
Natürlich musst Du verstehen, was Du erreichen möchtest. Und gerade bei sicherheitskritischen Funktionen, Zahlungsprozessen oder personenbezogenen Daten sind sorgfältige Prüfungen unverzichtbar. Aber für viele alltägliche Anpassungen und Erweiterungen fällt die bisherige technische Hürde erheblich niedriger aus. Statt einer vierstelligen Agenturrechnung entstehen häufig nur etwas eigene Arbeitszeit und geringe KI-Nutzungskosten.
Der entscheidende Unterschied: Du musst Deine Ideen nicht mehr nach dem Budget Deiner Agentur ausrichten.
Ein Shop muss heute nicht mehr gleich ein großes Investment sein. Diese Entwicklung eröffnet noch eine ganz andere Möglichkeit.
Nicht jede Geschäftsidee muss gleich zum großen Unternehmen werden
Vielleicht möchtest Du ein neues Produkt testen. Eine kleine Eigenmarke aufbauen. Ein saisonales Sortiment anbieten. Oder Du hast bereits ein Unternehmen und möchtest ausprobieren, ob sich eine zusätzliche Produktlinie direkt an Endkunden verkaufen lässt.
Früher war die wirtschaftliche Einstiegshürde oft erstaunlich hoch.
Shopsystem, Design, Agentur, Einrichtung, Erweiterungen. Noch bevor der erste Kunde bestellt hatte, waren schnell einige Tausend Euro ausgegeben oder monatliche Verpflichtungen entstanden.
Heute kann der Einstieg wesentlich schlanker ausfallen.
Mit einem fertigen KI-Shopsystem lassen sich neue Konzepte schnell und mit überschaubarem technischem Aufwand testen.
Das ist gerade im Zusammenspiel mit Social Commerce interessant. Denn immer häufiger beginnt ein Geschäftsmodell nicht mit einem Onlineshop, sondern mit einer Community.
Menschen bauen sich auf TikTok, Instagram oder anderen Plattformen eine Reichweite auf. Sie entdecken ein Bedürfnis ihrer Zielgruppe, entwickeln ein Produkt und möchten es verkaufen.
Dafür brauchen sie nicht zwangsläufig ein komplexes eCommerce-Projekt mit monatelanger Vorlaufzeit. Sie brauchen einen funktionierenden Shop, der professionell aussieht, zuverlässig verkauft und sich mit ihren Anforderungen weiterentwickeln lässt.
Das macht eCommerce auch für Nebenprojekte, kleine Marken und spezialisierte Nischenangebote interessant.
Natürlich bleibt das unternehmerische Risiko. Produkte müssen beschafft, Kunden gewonnen und rechtliche Anforderungen erfüllt werden. Aber zumindest die Shoptechnik muss nicht mehr zu den größten Einstiegshürden gehören.
Die größte Veränderung ist nicht der Preis, sondern die Freiheit
Wer KI im eCommerce ausschließlich als Möglichkeit betrachtet, ein paar Hundert Euro Softwarekosten einzusparen, denkt meiner Meinung nach zu kurz.
Ja, es ist erfreulich, wenn monatliche Grundgebühren entfallen.
Ja, es ist wirtschaftlich sinnvoll, wenn man nicht für jede kleine Erweiterung eine zusätzliche App abonnieren muss.
Und selbstverständlich ist es angenehm, wenn eine Änderung nicht jedes Mal eine Agenturrechnung auslöst. Aber der eigentliche Gewinn liegt woanders.
Der Händler gewinnt seine Handlungsfreiheit zurück.
Er kann ausprobieren. Verändern. Testen. Verwerfen. Verbessern. Er kann auf Kundenwünsche reagieren, ohne erst ein Budget freigeben zu müssen. Und er kann Funktionen entwickeln, die sein Geschäft tatsächlich besser machen, statt sich auf das zu beschränken, was sein Shopsystem oder dessen App-Marktplatz gerade anbietet.
Technik wird zunehmend vom begrenzenden Faktor zum Werkzeug. Und das ist ein gewaltiger Unterschied.
Brauchen wir künftig überhaupt noch Agenturen?
Natürlich.
Ich halte überhaupt nichts von der Vorstellung, dass KI plötzlich jede Form von Fachwissen überflüssig macht. Ein guter Shop braucht nach wie vor ein überzeugendes Sortiment, vernünftige Preise, eine klare Positionierung, rechtssichere Prozesse und vor allem ein Verständnis für seine Kunden. Auch komplexe Integrationen, IT-Sicherheit, Architektur und größere technische Projekte gehören in kompetente Hände. Und eine gute Agentur kann weiterhin einen enormen Mehrwert schaffen.
Nur wird sich ihre Aufgabe verändern.
Warum sollte ein Händler künftig vier- oder fünfstellige Beträge dafür bezahlen, dass jemand eine vergleichsweise einfache Funktion einbaut, die er mit KI selbst erstellen und testen kann?
Ich glaube, dass Agenturen künftig stärker für Konzeption, Strategie, komplexe Entwicklung und Qualitätssicherung bezahlt werden. Und weniger dafür, dass sie als technische Türsteher zwischen dem Händler und seinem eigenen Shop stehen. Das halte ich für eine gesunde Entwicklung.
Ein guter Onlineshop muss heute nicht mehr teuer sein
Der eCommerce steht nicht vor dem Ende etablierter Shopsysteme. Shopify, Shopware und andere Lösungen werden weiterhin ihre Berechtigung haben.
Aber sie sind nicht mehr alternativlos.
Mit KI und Systemen wie Vibemerce entsteht eine neue Kategorie von Onlineshops: professionell, individuell erweiterbar, schnell einsetzbar und ohne dauerhafte Lizenzverpflichtungen.
Für Händler bedeutet das geringere technische Einstiegskosten, weniger Abhängigkeiten und vor allem mehr Möglichkeiten, eigene Ideen umzusetzen.
Wer einen Onlineshop betreibt, sollte sich deshalb eine einfache Frage stellen:
Wenn ich heute noch einmal bei null anfangen würde, würde ich mich wieder für ein System mit monatlichen Gebühren, kostenpflichtigen Apps und dauerhafter Agenturabhängigkeit entscheiden?
Oder würde ich lieber einen Shop aufbauen, bei dem ich selbst die Kontrolle über Funktionen, Code und Daten behalte? Ich weiß, welche Variante ich heute wählen würde.
Die Zukunft des E-Commerce wird nicht dadurch entschieden, wer die meisten Apps abonniert. Sondern dadurch, wer seine Kunden am besten versteht, gute Ideen am schnellsten umsetzt und seine Kosten im Griff hat. Auch die für sein Shosystem und den Kosmos drumherum.
Herzlichst, dein Andreas Frank
Transparenzhinweis: Das im Artikel genannte KI-Shopsystem Vibemerce wurde von Andreas Frank, dem Herausgeber vom SELR eCommerce-Strategiemagazin, entwickelt. Basierend auf seiner jahrzentelanger Erfahrung mit zahlreichen eigenen Onlineshops und dem Wissen aus der Betreuung von über einhundert Onlinehändlern.
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