VibeCoding wird bislang vor allem mit dem Bau von Websites verbunden. Doch längst lassen sich damit auch komplette Microshops mit Produktverwaltung, CMS, Payment und Analytics entwickeln.
Für manche Geschäftsmodelle kann damit sogar das klassische Shopsystem entfallen. Das eröffnet neue Möglichkeiten und kann laufende Kosten reduzieren. Gleichzeitig übernimmt der Betreiber bei einer individuellen Entwicklung Aufgaben, die in Standardlösungen häufig bereits vorstrukturiert sind. Besonders deutlich wird das beim Checkout.
Wer sich derzeit mit VibeCoding beschäftigt, landet fast zwangsläufig beim Thema Websites. Landingpages, Unternehmensseiten oder kleinere Portale gehören zu den naheliegenden Anwendungen.
Mit Claude, ChatGPT und anderen KI-Systemen lassen sie sich inzwischen in erstaunlich kurzer Zeit entwickeln, ohne selbst programmieren zu können.
Dabei ist die Website eigentlich nur der Anfang. Die gleichen Methoden lassen sich nutzen, um aus einer statischen Seite eine vollständige Webanwendung zu machen. Und damit wird VibeCoding zunehmend auch für den eCommerce interessant.
Ein Microshop für ein eBook, einen Kurs, ein Toolkit, eine Vorlage oder ein überschaubares Sortiment physischer Produkte benötigt schließlich nicht zwangsläufig die Infrastruktur, die ein Händler mit zehntausenden Artikeln, mehreren Lagern und internationalen Vertriebskanälen braucht. Trotzdem war der übliche Weg bislang häufig derselbe: Shopsystem auswählen, einrichten, anpassen und anschließend dauerhaft dafür bezahlen.
Mit VibeCoding entsteht eine Alternative.
Nicht jeder Shop braucht Shopify oder Shopware
Ein individueller Microshop kann heute weit mehr sein als eine Verkaufsseite mit angehängtem Zahlungslink. Im Hintergrund kann ein eigenes Backend laufen, über das Produkte angelegt, Preise geändert, Bilder ausgetauscht und Bestellungen verwaltet werden. Ebenso lassen sich ein Content-Management-System für redaktionelle Inhalte, Gutscheinfunktionen, Payment-Anbindungen oder Webanalytics integrieren.
Damit können nicht mehr nur die sichtbaren Seiten, sondern auch Teile der eigentlichen Geschäftslogik individuell entwickelt werden. Statt ein vorhandenes Shopsystem an das Geschäftsmodell anzupassen, wird genau die Anwendung gebaut, die benötigt wird.
Für bestimmte Geschäftsmodelle ist das wirtschaftlich interessant. SaaS hat den Aufbau und Betrieb von Onlineshops enorm vereinfacht, gleichzeitig aber ein Modell etabliert, bei dem für immer mehr Funktionen dauerhaft bezahlt wird. Zum Shopsystem kommen Erweiterungen, Apps und zusätzliche Dienste. Jede einzelne Position mag überschaubar sein, in Summe können daraus erhebliche laufende Kosten entstehen.
Eine individuell entwickelte Lösung ist ebenfalls nicht kostenlos. Hosting, Zahlungsanbieter, externe APIs, Wartung und Sicherheit bleiben Themen. Die Kostenstruktur kann sich jedoch deutlich verändern, wenn nicht mehr für jede benötigte Funktion dauerhaft ein separates Software-Abonnement notwendig ist.
Das bedeutet keineswegs, dass klassische Shopsysteme überflüssig werden. Für umfangreiche Sortimente, komplexe Warenwirtschaft, Internationalisierung, mehrere Lager, zahlreiche Schnittstellen oder große Teams bleiben etablierte Plattformen in vielen Fällen die vernünftigere Lösung.
Bei kleineren, klar abgegrenzten Geschäftsmodellen sieht die Rechnung anders aus. Wer fünf digitale Produkte, drei Beratungsangebote oder ein überschaubares Sortiment verkauft, benötigt häufig nur einen kleinen Teil dessen, was eine große Commerce-Plattform bereitstellt.
Genau dort dürfte VibeCoding im eCommerce besonders interessant werden.
Der eigene Shop bringt eigene Verantwortung
Wer sich von den Vorgaben eines fertigen Shopsystems löst, gewinnt mehr Freiheit, muss dafür aber genauer wissen, welche Funktionen und Prozesse der eigene Shop tatsächlich braucht.
Das wird besonders bei rechtlichen Dingen sichtbar, wie bspw. dem Checkout. Eine KI kann eine Produktseite erstellen, einen Zahlungsanbieter anbinden und nach erfolgreicher Zahlung einen Download bereitstellen oder Bestelldaten an einen Fulfillment-Dienstleister übertragen. Für die Software ist der Vorgang erfolgreich, sobald die vorgesehenen Prozesse ausgeführt wurden.
Ein deutscher B2C-Checkout ist aber nicht allein ein technischer Prozess. Mit ihm werden Willenserklärungen abgegeben, Verträge geschlossen und gesetzliche Informationspflichten erfüllt. Genau diese zweite Ebene kann beim VibeCoding leicht übersehen werden.
Hinzu kommt, dass viele KI-Systeme, Codebeispiele, Templates und technische Dokumentationen aus einem internationalen und insbesondere US-amerikanisch geprägten Umfeld stammen. Die KI kann daraus einen technisch hervorragenden Checkout entwickeln, ohne automatisch alle Besonderheiten des deutschen Verbraucherrechts richtig abzubilden.
Wenn ein Button über den Vertrag entscheidet
Wie weit die Konsequenzen reichen können, zeigt die sogenannte Button-Lösung. Nach § 312j BGB muss bei einem zahlungspflichtigen Verbrauchervertrag im elektronischen Geschäftsverkehr eindeutig erkennbar sein, dass der Verbraucher mit seiner Bestellung eine Zahlungsverpflichtung eingeht. Erfolgt die Bestellung über eine Schaltfläche, muss diese gut lesbar mit „zahlungspflichtig bestellen“ oder einer entsprechend eindeutigen Formulierung beschriftet sein.
Was nach einem kleinen Detail klingt, kann erhebliche Folgen haben:
Werden die gesetzlichen Anforderungen an diese Schaltfläche nicht erfüllt, kommt der Vertrag nach § 312j Abs. 4 BGB nicht zustande.
Damit kann eine auf den ersten Blick vollkommen funktionierende Bestellstrecke ein fundamentales Problem haben. Der Kunde wählt das Produkt, trägt seine Daten ein und bezahlt. Der Zahlungsanbieter verarbeitet die Transaktion, das Geld kommt an und das Produkt wird ausgeliefert. Technisch hat alles funktioniert, obwohl rechtlich kein wirksamer Vertrag zustande gekommen sein kann.
Gerade beim VibeCoding liegt hier eine typische Falle. Für die Zahlungsabwicklung wird häufig auf vorhandene Komponenten und Checkout-Lösungen von Zahlungsdienstleistern wie PayPal, Stripe oder Mollie zurückgegriffen. Das ist technisch sinnvoll, weil dadurch nicht die komplette Zahlungsinfrastruktur selbst entwickelt werden muss.
Die bereitgestellten Checkout-Komponenten sind jedoch für internationale Märkte konzipiert. Deshalb kann es notwendig sein, den daraus entstehenden Bestellprozess für den deutschen Markt individuell anzupassen. Entscheidend ist beispielsweise, an welcher Stelle die verbindliche Bestellung ausgelöst wird, welche Informationen der Kunde unmittelbar davor sieht und wie die entsprechende Schaltfläche bezeichnet ist.
Genau hier kann VibeCoding wiederum seine Stärke ausspielen. Der vorhandene Payment-Prozess muss nicht unverändert übernommen werden. Die umgebende Bestellstrecke kann individuell entwickelt und so aufgebaut werden, dass Zahlungsanbieter und eigene Checkout-Logik zusammenspielen.
Technisch ist das heute vergleichsweise einfach möglich. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, zu wissen, welche Anforderungen überhaupt berücksichtigt werden müssen.
Genau darin liegt der wesentliche Unterschied zwischen einer Standard-SaaS-Lösung und einer individuell entwickelten Commerce-Anwendung:
In einem etablierten Shopsystem sind viele Abläufe und Funktionen bereits vorgegeben oder vorbereitet.
Wer individuell entwickelt, gewinnt erheblich mehr Freiheit, übernimmt damit aber auch die Verantwortung, die notwendigen Anforderungen selbst zu kennen, zu definieren und in die Anwendung zu übersetzen.
Rechtliche Anforderungen werden zu Code
Die Button-Lösung ist nur ein besonders anschauliches Beispiel. Ein rechtlich sauberer Bestellablauf und Checkout entsteht nicht dadurch, dass am Ende lediglich die richtige Formulierung auf einer Schaltfläche steht.
Je nach Geschäftsmodell müssen dem Verbraucher im Bestellprozess bestimmte Informationen zur Verfügung gestellt werden. Dazu können die wesentlichen Eigenschaften des Angebots, der Gesamtpreis, zusätzliche Kosten oder bei entsprechenden Vertragsmodellen Angaben zu Laufzeit und Kündigung gehören. Dabei kann nicht nur entscheidend sein, ob eine Information vorhanden ist, sondern auch, an welcher Stelle und in welcher Form sie angezeigt wird.
Für VibeCoding ist genau das relevant. Eine juristische Anforderung muss in eine technische Spezifikation übersetzt werden. Aus „Diese Information muss unmittelbar vor Abgabe der Bestellung angezeigt werden“ wird eine konkrete Vorgabe für Aufbau und Logik des Checkouts.
Besonders deutlich wird das bei digitalen Produkten. Ein eBook, eine Vorlage oder ein anderer digitaler Inhalt lässt sich nach erfolgreicher Zahlung problemlos automatisch ausliefern. Soll das Widerrufsrecht bei einem sofort bereitgestellten digitalen Inhalt unter den gesetzlichen Voraussetzungen erlöschen, muss auch dieser Vorgang technisch richtig in den Bestellprozess integriert werden. Die notwendigen Erklärungen und Bestätigungen sind damit nicht bloß Rechtstexte, sondern Bestandteil der Checkout-Architektur.
Ein weiteres aktuelles Beispiel ist die seit Juni 2026 vorgeschriebene elektronische Widerrufsfunktion bei entsprechenden Online-Verträgen. Umgangssprachlich wird häufig vom „Widerrufsbutton“ gesprochen. Dahinter steckt eine technische Funktion, über die ein Verbraucher seinen Widerruf elektronisch erklären kann. Sie muss erreichbar sein, die notwendigen Angaben erfassen und den vorgesehenen Prozess auslösen.
Auch eine solche Funktion lässt sich mit VibeCoding individuell in einen Shop integrieren und mit den vorhandenen Bestelldaten verbinden.
Die Herausforderung liegt nicht primär in der Programmierung, sondern darin, die gesetzliche Anforderung zu kennen und sie korrekt in eine technische Funktion zu übersetzen.
Genau darin liegt vielleicht die wichtigste Veränderung durch VibeCoding im eCommerce: Man muss immer weniger wissen, wie eine bestimmte Funktion programmiert wird. Wichtiger wird es zu wissen, was programmiert werden muss.
Wer dieses Wissen mitbringt oder sich aneignet, kann heute individuelle eCommerce-Lösungen entwickeln, für die vor wenigen Jahren noch ein erhebliches Entwicklungsbudget notwendig gewesen wäre. Ohne laufende Abokosten für Shopify & Co.

AgenturKillerPrompts: Microshops per VibeCoding
Wer Vibe Coding nicht nur für Websites, sondern auch für den Verkauf eigener Produkte nutzen möchte, findet bei AgenturKillerPrompts ein entsprechendes Zusatzmodul.
Mit dem Microshop-Modul lässt sich ein eigener schlanker Shop per Vibe Coding entwickeln. Der Prompt berücksichtigt dabei auch die Besonderheiten, die beim Aufbau eines Shops für den deutschen Markt wichtig sind. Statt bei null anzufangen, erhält man damit eine konkrete Grundlage, um eine individuelle Commerce-Lösung nach den eigenen Anforderungen zu entwickeln.
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