Livestream-Shopping: Ein kurzlebiger Hype – oder gekommen, um zu bleiben?

Livestream-Shopping ist derzeit in aller Munde. Doch was steckt wirklich dahinter? Handelt es sich um einen unverzichtbaren Trend, den Händler auf keinen Fall verpassen dürfen, oder ist es nur die nächste vorübergehende Modeerscheinung? Die wachsende Begeisterung und die beeindruckenden Verkaufszahlen aus China und anderen Ländern zeigen klar: Livestream-Shopping ist weit mehr als nur ein Hype.

Es ist eine spannende und dynamische Erweiterung des Social Commerce, bei der der Einkauf in Echtzeit über Livestreams stattfindet. Social Commerce verbindet soziale Interaktionen und Handel auf völlig neue Weise. Dazu gehören das direkte Kaufen von Produkten über soziale Netzwerke, die spezielle „Shop“-Funktionen anbieten. Nutzer können Produkte im Feed entdecken und sofort kaufen. Shoppable Posts machen den Kaufprozess noch einfacher, indem sie direkt zu Produktseiten verlinken. Livestream-Shopping bringt eine zusätzliche interaktive Dimension ins Spiel: Zuschauer können Produkte live sehen, Fragen stellen und in Echtzeit einkaufen. Das macht das Shopping-Erlebnis nicht nur direkter, sondern auch unterhaltsamer und ansprechender.

Ein wesentlicher Bestandteil des Social Commerce ist auch das Influencer Marketing. Hierbei arbeiten Marken mit Influencern zusammen, die Produkte bewerben und ihre Reichweite nutzen, um Verkäufe zu fördern. Diese Zusammenarbeit kann sowohl über gesponserte Posts als auch über persönliche Empfehlungen erfolgen, was die Authentizität und das Vertrauen der Verbraucher erhöht. Influencer haben oft eine treue Anhängerschaft, die ihre Meinungen und Empfehlungen schätzt, was sie zu wertvollen Partnern im E-Commerce macht.

Produktbewertungen und Empfehlungen von Nutzern spielen ebenfalls eine große Rolle im Social Commerce. Plattformen wie Yelp, TripAdvisor und vor allem auch Google ermöglichen es Verbrauchern, ihre Erfahrungen und Bewertungen von Produkten und Dienstleistungen zu teilen. Diese nutzergenerierten Inhalte helfen anderen Käufern, informierte Entscheidungen zu treffen und stärken das Vertrauen in die Marke.

Zusätzlich nutzen viele Marken User-Generated Content (UGC), bei dem Inhalte von Nutzern erstellt und geteilt werden, wie Fotos und Videos von Produkten, die sie gekauft haben. Dieser authentische Inhalt fördert die Glaubwürdigkeit und stärkt die Kundenbindung. Unternehmen ermutigen ihre Kunden oft dazu, ihre Erfahrungen zu teilen, was zu einer stärkeren Markenbindung und erhöhter Sichtbarkeit führt.

Ein weiterer Aspekt des Social Commerce ist der Einsatz von Live Chat und Kundenservice, der es ermöglicht, direkt mit Kunden zu interagieren, ihre Fragen zu beantworten und Unterstützung zu bieten. Diese direkte Kommunikation verbessert das Kundenerlebnis und kann die Conversion-Raten erheblich steigern.

Livestream-Shopping fügt sich in dieses Umfeld ein, indem es ein Echtzeiterlebnis bietet, bei dem Produkte live vorgestellt und sofort gekauft werden können. Händler können in Echtzeit auf Kundenanfragen reagieren, Produkte detailliert vorstellen und direkt Verkäufe generieren. Livestreams erhöhen die Verweildauer auf der Plattformen und steigern die Conversion-Raten deutlich, was sie zu einem effektiven Tool im Social Commerce macht.

Politische Einflüsse auf TikTok Shop und die Zukunft des Social Commerce

Vielleicht hast du schon gehört, dass TikTok seine Expansionspläne für den TikTok Shop in Ländern wie Spanien, Deutschland, Italien, Frankreich, Irland, Mexiko und Brasilien nun vorerst doch gestoppt hat. Die Gründe sind sehr wahrscheinlich politische Einflussnahmen und Regulierungen westlicher Regierungen, die Bedenken hinsichtlich Datenschutz und nationaler Sicherheit haben. Diese Entwicklungen zeigen, dass der Markt für Livestream-Shopping nicht ohne Herausforderungen ist. Dennoch bleibt die Nachfrage nach interaktiven und sozialen Einkaufserlebnissen hoch. Andere Plattformen sowie neue Technologien werden diese Lücke füllen und den Markt weiter vorantreiben. Beispielsweise plant Facebook die Erweiterung seiner Shopping-Funktionen auf Instagram und WhatsApp, während YouTube seine Live-Shopping-Events ausbaut. Diese Trends unterstreichen das Potenzial des Social Commerce, auch im regulatorisch schwierigen Umfeld weiter zu wachsen.

Globale Expansion von Livestream-Shopping

Ein herausragendes Beispiel für die Expansion von Livestream-Shopping ist der spanische Modehersteller Inditex mit seiner Brand Zara. Nachdem das Unternehmen durch Livestreams in China einen signifikanten Umsatzanstieg verzeichnete, plant es nun, dieses erfolgreiche Modell auf die USA, das Vereinigte Königreich und Europa auszuweiten.

In China konnte Zara während eines Livestreams innerhalb von wenigen Stunden mehrere Millionen Euro Umsatz generieren.

Solche Erfolge zeigen, dass Livestream-Shopping eine wirkungsvolle Methode ist, um Kunden zu erreichen und den Umsatz zu steigern.

Auch Amazon hat das Potenzial von Livestream-Shopping erkannt und in den USA im April einen Amazon Live-Streaming-Kanal auf seinen Plattformen Prime Video und Freevee gestartet. Dieser Kanal bietet kaufbare Inhalte, die von prominenten Talenten präsentiert werden. Wayne Purboo, Vizepräsident von Amazon Shopping Videos, erklärte: „Wir machen Shopping-Unterhaltung zugänglicher, interaktiver und spannender als je zuvor.“ Dies unterstreicht Amazons Engagement, das Einkaufserlebnis für seine Kunden zu revolutionieren. Ein weiteres Beispiel ist AliExpress, die E-Commerce-Plattform von Alibaba. Im März kündigte Alizila, die Nachrichtenzentrale von Alibaba, an, dass AliExpress sein Inhaltsangebot um Livestreams mit britischen Influencern erweitern werde. Das Ziel ist, diese innovative Einkaufsmöglichkeit auch im Vereinigten Königreich populär zu machen und die Kundenbindung zu stärken.

Verbraucher wünschen sich interaktive Einkaufserlebnisse

Verbraucher verlangen zunehmend nach interaktiven und unterhaltsamen Einkaufserlebnissen. Laut dem Bericht „How We Will Pay“ von PYMNTS Intelligence suchen Konsumenten weltweit nach innovativen Möglichkeiten, ihre Einkäufe zu tätigen. Eine Umfrage unter mehr als 4.600 US-Verbrauchern ergab, dass etwa ein Drittel der Käufer sich eine eingebettete Einkaufsfunktion wünschen würde, um Artikel zu kaufen, die auf dem Bildschirm erscheinen, während sie ihre Lieblingsserie streamen. Diese nahtlose Integration von Shopping in alltägliche Aktivitäten bietet den Verbrauchern Bequemlichkeit und erhöht die Kaufbereitschaft.

Darüber hinaus möchten viele Verbraucher, dass Produkte in Werbespots über QR-Codes einkaufbar sind. Diese Funktion würde es den Konsumenten ermöglichen, Artikel, die sie in Werbespots sehen, sofort zu kaufen, indem sie einfach einen QR-Code mit ihrem Smartphone scannen. Dies spricht besonders technikaffine und impulsive Käufer an, die schnelle und einfache Einkaufslösungen bevorzugen.

Unternehmen, die auf diese Trends setzen, können sich einen klaren Wettbewerbsvorteil sichern. Durch die Bereitstellung interaktiver und unterhaltsamer Einkaufserlebnisse können sie nicht nur die Aufmerksamkeit der Kunden gewinnen, sondern auch deren Bindung an die Marke stärken. Ein interaktives Einkaufserlebnis fördert das Engagement und kann die Kundenzufriedenheit und -treue erheblich erhöhen.

Die Entwicklung hin zu interaktiven Einkaufserlebnissen zeigt, dass Händler flexibel und innovativ sein müssen, um den sich ständig ändernden Erwartungen der Verbraucher gerecht zu werden.

Livestream-Shopping und eingebettete Einkaufsfunktionen sind keine vorübergehenden Trends, sondern signalisieren eine dauerhafte Veränderung im Kaufverhalten, die Händler nicht ignorieren dürfen. Wer diese Trends frühzeitig erkennt und umsetzt, kann sich langfristig im Wettbewerb behaupten und seine Marktposition stärken.

Herausforderungen und Chancen in den USA

Komplett rund läuft es jedoch zu Beginn einer Entwickkung nie. Vincent Yang, Mitbegründer und CEO der Video-Commerce-Plattform Firework, erklärte in einem Interview mit PYMNTS, dass das Engagement der US-Verbraucher beim Livestream-Shopping derzeit noch hinter den Erwartungen zurückbleibt. Statische, immer verfügbare Shopping-Inhalte, sind durchaus beliebter. „Die Wiederverwendbarkeit von Livestreams ist nicht sehr gut, wohingegen es bei shoppable Videos keine zeitliche Begrenzung gibt“, sagte Yang. Die statischen Inhalte, die jederzeit abrufbar sind, bieten den Verbrauchern Flexibilität und eine längere Nutzungsdauer, was ihre Popularität erklärt.

Obwohl Influencer in sozialen Medien die Kaufentscheidungen der Verbraucher maßgeblich beeinflussen, ist der direkte Kauf über Live-Videos auf dem US-Markt noch nicht vollständig in der Mainstream-Kultur angekommen. Viele Influencer setzen weiterhin auf vorab aufgezeichnete Inhalte und gesponserte Posts, die auch lange nach der Aufzeichnung Verkäufe generieren können. Ein Beispiel dafür ist die Influencerin Huda Kattan, deren vorab aufgezeichnete Beauty-Tutorials Millionen von Aufrufen und hohen Umsatz für ihre Marke Huda Beauty generieren. Diese Brückenphase zeigt, dass Livestream-Shopping noch in den Kinderschuhen steckt, aber der Einfluss sozialer Medien auf das Kaufverhalten bereits enorm ist.

Die Entwicklung des Marktes deutet darauf hin, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis Livestream-Shopping auch in den USA zum Mainstream wird. Händler sollten diese Übergangsphase nutzen, um sich auf die kommenden Veränderungen vorzubereiten und ihre Strategien entsprechend anzupassen.

Die Rolle der sozialen Medien

Social Media ist längst mehr als nur ein Ort für Kommunikation und Unterhaltung – es ist ein gigantischer Marktplatz, der das Einkaufsverhalten der Verbraucher revolutioniert hat. Laut einem Bericht von PYMNTS Intelligence suchen 43 % der Verbraucher in sozialen Medien nach Produkten und Dienstleistungen. Diese Zahl steigt bei Millennials auf beeindruckende 64 % und erreicht bei der Generation Z sogar 68 %.

Diese Statistiken verdeutlichen das immense Potenzial, das soziale Medien für den Handel bieten, und erklären, warum Plattformen wie Instagram, TikTok und YouTube verstärkt auf Shopping-Funktionen setzen.

Instagram entwickelte sich zu einer der führenden Plattformen für Social Commerce. In den USA hat Instagram kürzlich eine Funktion eingeführt, die es Nutzern ermöglicht, Produkte direkt über die App zu kaufen. Diese Funktion namens „Instagram Shopping“ ermöglicht es Marken, ihren Produktkatalog direkt in ihr Instagram-Profil zu integrieren, sodass Nutzer Produkte in Beiträgen, Stories und im Explore-Bereich entdecken und kaufen können. Ein Beispiel für die erfolgreiche Nutzung dieser Funktion ist die Marke Kylie Cosmetics, die erhebliche Umsätze über Instagram Shopping generiert. Nutzer können direkt auf ein Bild von Kylie Jenner klicken, die ein neues Produkt vorstellt, und gelangen sofort zur Kaufseite.

TikTok, bekannt für seine viralen Kurzvideos, hat ebenfalls stark in Shopping-Funktionen investiert und ermöglicht es Unternehmen und Influencern mit TikTok Shop in Indonesien, Malaysia, den Philippinen, Singapur, Thailand, den USA, Großbritannien und Vietnam, Marken und Produkte direkt in ihren Videos zu verlinken, so dass die Nutzer die gezeigten Artikel sofort kaufen können. Ein bemerkenswertes Beispiel dafür ist die Kampagne von Gymshark, einem Fitnessbekleidungsunternehmen, das durch kreative TikTok-Videos und Influencer-Marketing erhebliche Verkaufszahlen erzielt hat.

YouTube, die weltweit größte Videoplattform, hat Live-Shopping-Events eingeführt, bei denen Nutzer Produkte in Echtzeit kaufen können. Diese Events, oft in Zusammenarbeit mit bekannten Influencern und Marken, bieten eine einzigartige Kombination aus Unterhaltung und Einkaufserlebnis. Ein Beispiel ist das „YouTube Holiday Stream and Shop“-Event, bei dem verschiedene Influencer live Produkte vorstellen und die Zuschauer diese direkt über YouTube kaufen können. Solche Events schaffen eine interaktive und immersive Umgebung, die das traditionelle Einkaufserlebnis auf eine völlig neue Ebene hebt.

Diese Entwicklungen zeigen, wie soziale Medien den Handel transformieren und neue Möglichkeiten für interaktive und personalisierte Einkaufserlebnisse schaffen. Händler, die diese Plattformen effektiv nutzen, können nicht nur ihre Reichweite erweitern, sondern auch eine tiefere Verbindung zu ihren Kunden aufbauen und ihre Markenloyalität stärken.

Der Ist-Zustand: Social Commerce in China

In China hat sich das digitale Einkaufsverhalten der Konsumenten eigentlich von Beginn an anders entwickelt und unterscheidet sich derzeit noch deutlich von westlichen Märkten. Hier ist Social Commerce längst zum Standard geworden. Anstatt über traditionelle Online-Shops einzukaufen, nutzen chinesische Verbraucher vor allem soziale Netzwerke und Messaging-Apps wie WeChat, das Pendant zu WhatsApp. WeChat ist weit mehr als nur eine Messaging-App; es ist eine umfassende Plattform, die zahlreiche Funktionen wie Mobile Payment, E-Commerce, Social Media und mehr integriert.

Ein wesentlicher Aspekt von WeChat ist das Mini-Program-Ökosystem, das es Händlern ermöglicht, kleine, in die App eingebettete Programme zu erstellen. Diese Mini-Programme bieten eine nahtlose Benutzererfahrung, bei der Verbraucher Produkte entdecken, sich darüber informieren und sie direkt kaufen können, ohne die App verlassen zu müssen. Livestream-Shopping ist dabei ein integraler Bestandteil. Marken und Influencer nutzen Livestreams auf WeChat, um Produkte in Echtzeit zu präsentieren und direkt mit den Zuschauern zu interagieren. Die Zuschauer können Fragen stellen, Kommentare abgeben und Produkte sofort kaufen, was das Einkaufserlebnis interaktiv und unterhaltsam macht.

Ein Beispiel für den Erfolg von Social Commerce in China ist die jährliche „618 Shopping Festival“-Aktion, die von der E-Commerce-Plattform JD.com initiiert wurde. Während dieses Events nutzen zahlreiche Marken und Händler Livestreams, um ihre Produkte zu bewerben. Im Jahr 2021 generierte das Festival innerhalb von nur wenigen Tagen einen Umsatz von über 136 Milliarden Yuan, was ca. 17 Milliarden Euro entspricht.

Ein weiteres Beispiel ist die Influencerin Viya, die in China als „Livestream-Queen“ bekannt ist. In einem einzigen Livestream konnte sie Produkte im Wert von mehreren Millionen Yuan verkaufen. Ihre Fähigkeit, Produkte unterhaltsam und überzeugend zu präsentieren, hat sie zu einer der einflussreichsten Figuren im chinesischen E-Commerce gemacht.

Diese Beispiele verdeutlichen, wie tief verwurzelt Social Commerce in China bereits ist. Die Integration von Shopping-Funktionen in soziale Netzwerke und Messaging-Apps hat das Einkaufsverhalten revolutioniert und bietet ein Modell, das auch für andere Märkte richtungsweisend sein könnte.

Chinesische Onlinehändler haben durch ihre umfangreichen Erfahrungen und ihr tiefes Wissen im Bereich Social Commerce einen klaren Wettbewerbsvorteil. Sie sind den europäischen und deutschen Händlern einen Schritt voraus und werden daher in den kommenden Jahren starke Wettbewerber auf dem globalen Markt sein.

Deutsche Händler müssen sich jetzt Wissen im Bereich Social Commerce aneignen und entsprechenden Strategien entwickeln. Andernfalls werden sie gegenüber chinesischen Wettbewebern schnell ins Hintertreffen geraten.

Andreas Frank, Herausgeber des SELR eCommerce-Magazins

Es ist entscheidend, die Entwicklungen im Social Commerce genau zu beobachten und innovative Ansätze zu adaptieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Flexibilität und Offenheit für neue Technologien sind unerlässlich, um die sich ständig verändernden Erwartungen der Verbraucher zu erfüllen und in diesem dynamischen Umfeld erfolgreich zu bestehen.

Multitasking und Shopping

Ein weiterer bemerkenswerter Trend im modernen Einkaufsverhalten ist das Multitasking mit vernetzten Geräten. Viele Menschen nutzen Smartgeräte, um während des Filmsehens, beim Surfen im Internet oder bei anderen Freizeitaktivitäten zu shoppen. Laut der Studie „How We Will Pay“ nutzen etwa 76 % der Verbraucher ihre Smartgeräte zum Multitasking in ihrer Freizeit, und ein Drittel von ihnen verwendet diese Geräte auch zum Einkaufen. Diese Zahlen verdeutlichen die Bedeutung von interaktiven und vernetzten Einkaufserlebnissen, die den modernen Konsumgewohnheiten gerecht werden.

Beispiele zeigen, wie Unternehmen diese Trends nutzen, um ihre Reichweite und den Umsatz zu steigern. Ein solches Beispiel ist Tastemade, ein Lebensmittel- und Lifestyle-Medienunternehmen, das seine Inhalte so gestaltet, dass sie nahtlos in das Multitasking-Erlebnis der Nutzer integriert werden. Tastemade produziert hochwertige Videos, die sowohl auf sozialen Medien als auch auf Streaming-Plattformen verfügbar sind. Während Zuschauer eine Kochshow oder eine Reise-Dokumentation ansehen, können sie gleichzeitig über eingebettete Links und Shoppable Videos die vorgestellten Produkte oder Rezepte kaufen.

Ein weiteres Beispiel ist der Möbelhersteller Wayfair, der seine App und Website so optimiert hat, dass sie perfekt für Multitasking-Nutzer geeignet sind. Wayfair integriert Augmented Reality (AR) in seine Shopping-App, wodurch Kunden Möbel virtuell in ihrem eigenen Zuhause platzieren können, während sie gleichzeitig Fernsehserien auf ihrem Smart-TV ansehen. Diese immersive und interaktive Einkaufserfahrung erhöht nicht nur die Kundenbindung, sondern auch die Kaufbereitschaft.

Auch der Sportartikelhersteller Nike nutzt den Multitasking-Trend, indem er seine Apps und sozialen Medien so gestaltet, dass sie ein nahtloses Shopping-Erlebnis bieten. Nutzer können während des Trainings Videos in der Nike Training Club App ansehen und gleichzeitig die in den Videos vorgestellten Produkte direkt kaufen. Diese Verknüpfung von Training und Shopping spricht besonders die technikaffine und gesundheitsbewusste Zielgruppe an.

Der Elektronik-Riese Samsung bietet eine Smart-TV-Plattform an, die es Nutzern ermöglicht, während des Fernsehens auf Shopping-Apps zuzugreifen. Während sie ihre Lieblingsserie schauen, können sie parallel durch verschiedene Produkte stöbern und Einkäufe tätigen, ohne den Fernseher ausschalten oder das Programm wechseln zu müssen.

Diese Beispiele illustrieren, wie wichtig es für Unternehmen ist, ihre Inhalte und Plattformen so zu gestalten, dass sie nahtlos in das Multitasking-Verhalten der modernen Konsumenten integriert werden können. Durch die Schaffung interaktiver und vernetzter Einkaufserlebnisse können Händler nicht nur die Aufmerksamkeit ihrer Kunden besser fesseln, sondern auch die Konversionsraten und die Kundenzufriedenheit steigern.

Auswirkungen auf den europäischen und deutschen Markt

Der Trend zum Livestream-Shopping wird auch Europa und Deutschland erreichen. Die großen Unternehmen sind bereits dabei, ihre Strategien anzupassen. Zara und Amazon sind nur zwei Beispiele, die zeigen, wohin die Reise geht.

Zara hat in China bemerkenswerte Erfolge mit Livestream-Shopping erzielt und plant nun, diese Strategie auf Märkte wie die USA, das Vereinigte Königreich und Europa auszuweiten. Amazon hat ebenfalls in die Zukunft des Livestream-Shoppings investiert und einen Amazon Live-Streaming-Kanal gestartet, der auf seinen Plattformen Prime Video und Freevee kaufbare Inhalte bietet.

Auch deutsche Unternehmen wie Otto und Zalando experimentieren mit Livestream-Shopping, um ihre Kunden auf neue und innovative Weise zu erreichen.

Otto hat kürzlich eine Serie von Livestreams gestartet, in denen verschiedene Produkte live präsentiert und direkt gekauft werden können. Zalando, einer der größten Online-Modehändler in Europa, nutzt Livestream-Shopping, um besondere Verkaufsaktionen und neue Kollektionen vorzustellen. Diese Unternehmen erkennen das Potenzial, durch interaktive und immersive Einkaufserlebnisse eine engere Kundenbindung zu schaffen.

Der europäische Markt ist bereit für diesen Wandel, und die Konsumenten zeigen großes Interesse an interaktiven Einkaufserlebnissen.

Laut einer Studie von McKinsey bevorzugen immer mehr Verbraucher in Europa digitale Einkaufserlebnisse, die über einfache Online-Shops hinausgehen. Insbesondere die jüngeren Generationen, die mit sozialen Medien und digitalen Technologien aufgewachsen sind, zeigen eine hohe Affinität zu Livestream-Shopping.

Ein weiteres Beispiel ist der französische Einzelhändler Carrefour, der mit Livestream-Shopping experimentiert, um sein Sortiment an frischen Lebensmitteln und Haushaltsprodukten vorzustellen. In Italien hat der Luxusmodehändler Gucci Livestream-Events gestartet, bei denen exklusive Kollektionen in Echtzeit präsentiert werden, um das Einkaufserlebnis für ihre anspruchsvolle Kundschaft zu verbessern.

Wichtig ist, dass Livestream-Shopping kein Thema ist, das nur große Marken und Unternehmen betrifft!

Gerade kleine Shops und unabhängige Einzelhändler können jetzt mit Schnelligkeit und Innovation punkten. Durch den Einsatz von Livestream-Shopping können sie sich von größeren Wettbewerbern abheben und eine persönliche Verbindung zu ihren Kunden aufbauen. Mit geringeren Investitionen in Technologie und flexiblen Geschäftsmodellen haben kleine Shops die Möglichkeit, schnell auf neue Trends zu reagieren und ihre Nischenmärkte effektiv zu bedienen. Social Media-Plattformen und spezialisierte Livestream-Shopping-Apps bieten diesen kleineren Akteuren immer häufiger kostengünstige und zugängliche Lösungen, um ihre Reichweite zu erweitern und direkt mit ihren Kunden zu interagieren.

Diese Beispiele zeigen, dass der europäische Markt sich auf Livestream-Shopping vorbereitet und die Konsumenten zunehmend interaktive und personalisierte Einkaufserlebnisse erwarten.

Händler, unabhängig davon, ob sie stationär, digital oder hybrid aufgestellt sind, müssen innovative Wege finden, um mit diesen digitalen Trends Schritt zu halten und ihre Kunden zu begeistern. Flexibilität und Offenheit für neue Technologien sind unerlässlich, um die sich ständig verändernden Erwartungen der Verbraucher zu erfüllen und wettbewerbsfähig zu bleiben.

Was du als Onlinehändler jetzt tun solltest

Um den Übergang zum Livestream-Shopping erfolgreich zu gestalten, sollten Onlinehändler mehrere strategische Schritte unternehmen.

Es ist wichtig, in die nötige Technologie für hochwertige Livestreams zu investieren. Eine stabile und benutzerfreundliche Plattform ist entscheidend für den Erfolg. Anbieter wie Shopify und Magento bieten bereits Lösungen für integriertes Livestream-Shopping an. Zusammenarbeit mit Influencern, die deine Zielgruppe ansprechen, ist ebenfalls von großer Bedeutung. Influencer können helfen, deine Marke zu stärken und ein breiteres Publikum zu erreichen. Erfolgreiche Partnerschaften, wie die von Sephora mit verschiedenen Beauty-Influencern, haben gezeigt, wie wirkungsvoll diese Strategie sein kann. Zusätzlich ist es wichtig, eine Content-Strategie zu erstellen, die sowohl Live- als auch vorab aufgezeichnete Videos umfasst. Dies ermöglicht eine kontinuierliche Kundenansprache und maximiert die Reichweite deiner Inhalte. Nutze dabei auch Datenanalysen, um die Wirksamkeit deiner Inhalte zu messen und zu optimieren. Interaktive Funktionen wie Chat, Umfragen und direkte Kaufmöglichkeiten in deine Livestreams zu integrieren, kann die Engagement-Rate erhöhen und den Kunden ein einzigartiges Einkaufserlebnis bieten. Tools wie OBS Studio oder StreamYard bieten diese interaktiven Features an. Zudem ist es entscheidend, dass alle datenschutzrechtlichen Anforderungen erfüllt werden und die persönlichen Daten der Kunden geschützt sind. Dies ist besonders wichtig, um das Vertrauen der Verbraucher zu gewinnen und zu erhalten. Nutze dabei etablierte Sicherheitsstandards und Zertifizierungen, um die Compliance zu gewährleisten.

Die 5 besten und wichtigsten Tipps für Onlinehändler:

  1. Technologische Infrastruktur aufbauen: Investiere in eine stabile und benutzerfreundliche Plattform für hochwertige Livestreams. Anbieter wie Shopify und Magento bieten bereits integrierte Livestream-Shopping-Lösungen an. Achte darauf, dass die Plattform einfach zu bedienen und zuverlässig ist, um ein reibungsloses Streaming-Erlebnis zu gewährleisten.
  2. Zusammenarbeit mit Influencern: Arbeite mit Influencern zusammen, die deine Zielgruppe ansprechen. Influencer können deine Marke stärken und ein breiteres Publikum erreichen. Erfolgreiche Partnerschaften, wie die von Sephora mit verschiedenen Beauty-Influencern, zeigen, wie wirkungsvoll diese Strategie sein kann.
  3. Content-Strategie entwickeln: Erstelle eine umfassende Content-Strategie, die sowohl Live- als auch vorab aufgezeichnete Videos umfasst. Dies ermöglicht eine kontinuierliche Kundenansprache und maximiert die Reichweite deiner Inhalte. Verwende Datenanalysen, um die Wirksamkeit deiner Inhalte zu messen und zu optimieren.
  4. Interaktive Funktionen integrieren: Integriere interaktive Funktionen wie Chat, Umfragen und direkte Kaufmöglichkeiten in deine Livestreams, um die Engagement-Rate zu erhöhen. Tools wie OBS Studio oder StreamYard bieten diese interaktiven Features an. Ein einzigartiges Einkaufserlebnis kann die Kundenbindung erheblich stärken.
  5. Datenschutz und Sicherheit gewährleisten: Achte darauf, dass alle datenschutzrechtlichen Anforderungen erfüllt werden und die persönlichen Daten der Kunden geschützt sind. Dies ist besonders wichtig, um das Vertrauen der Verbraucher zu gewinnen und zu erhalten. Nutze etablierte Sicherheitsstandards und Zertifizierungen, um die Compliance zu gewährleisten.

Indem du diese Schritte befolgst, kannst du den Übergang zum Livestream-Shopping erfolgreich gestalten und die Erwartungen deiner Kunden erfüllen. Flexibilität und Offenheit für neue Technologien sind entscheidend, um wettbewerbsfähig zu bleiben und langfristigen Erfolg zu sichern.

Auch die größten Anhänger von Marktplätzen und eigenen Shops dürfen die Entwicklung nicht verkennen

Livestream-Shopping wird das Einkaufserlebnis mit großer Wahrscheinlichkeit auch in Europa grundlegend verändern. Onlinehändler weltweit erkennen das Potenzial und investieren in innovative Ansätze, um ihre Kunden zu begeistern. Europa und Deutschland werden diesem Trend folgen. Es ist entscheidend, jetzt die richtigen Weichen zu stellen.

Selbst die größten Anhänger traditioneller Online-Shops müssen anerkennen, dass sich das Einkaufsverhalten der Verbraucher ständig weiterentwickelt.

Die Wünsche der Konsumenten und gesellschaftliche Trends können nicht ignoriert werden, auch wenn sie den eigenen Präferenzen widersprechen. Onlinehändler lassen sich hier leider oft von ihren eigenen Sichtweisen leiten.

Andreas Frank, E-Commerce-Innovator

Die Digitalisierung hat das Einkaufsverhalten grundlegend verändert und Livestream-Shopping ist ein neuer wesentlicher Bestandteil dieser Entwicklung. Händler, die an alten Modellen festhalten, laufen Gefahr, den Anschluss zu verlieren.

Vor einigen Jahren wurden Plattformen wie Instagram und TikTok von vielen Unternehmen nicht ernst genommen, doch heute sind sie unverzichtbare Marketingkanäle.

Ähnlich verhält es sich mit Livestream-Shopping: Es mag neu und ungewohnt erscheinen, doch die Erfolge in Märkten wie China und den USA zeigen, dass es enormes Potenzial bietet. Händler, die sich dieser Entwicklung verschließen, werden langfristig Schwierigkeiten haben, mit innovativeren Wettbewerbern Schritt zu halten.

Ein weiterer Punkt ist die Anpassung an die veränderten Erwartungen der Verbraucher. Die jüngeren Generationen, insbesondere Millennials und die Generation Z, bevorzugen interaktive und personalisierte Einkaufserlebnisse. Diese Zielgruppen sind mit digitalen Technologien aufgewachsen und erwarten von Marken, dass sie auf den neuesten Stand der Technik setzen. Livestream-Shopping erfüllt genau diese Erwartungen, indem es ein dynamisches und immersives Einkaufserlebnis bietet.

Für deutsche Händler bedeutet dies, dass sie offen für neue Technologien und Geschäftsmodelle sein müssen.

Es ist nicht ausreichend, nur einen gut funktionierenden Online-Shop zu betreiben. Die Integration von Livestream-Shopping kann dazu beitragen, eine tiefere Verbindung zu den Kunden aufzubauen, ihre Loyalität zu stärken und letztlich den Umsatz zu steigern. Händler sollten jetzt die Chance ergreifen, um sich das notwendige Wissen und die Fähigkeiten anzueignen, um in diesem neuen Umfeld erfolgreich zu sein.

Dabei muss jedoch betont werden, dass Livestream-Shopping nicht den alleinbestimmenden Absatzkanal darstellen wird.

Online-Shops und Marktplätze bleiben weiterhin wichtige Verkaufsplattformen. Der Social Commerce, und insbesondere Livestream-Shopping, kommt jedoch mit voller Wucht und Bedeutung hinzu. Es ergänzt das bestehende Portfolio und bietet eine neue, interaktive Möglichkeit, mit Kunden in Kontakt zu treten und den Umsatz zu steigern.

Ein praktisches Beispiel ist die Einführung von interaktiven Live-Events, bei denen Produkte in Echtzeit präsentiert und verkauft werden. Diese Events können nicht nur für den Verkauf genutzt werden, sondern auch, um wertvolles Kundenfeedback zu sammeln und die Kundenbindung zu stärken. Unternehmen, die diese Möglichkeit bereits nutzen, berichten von höheren Konversionsraten und einer stärkeren Kundenbindung.

Es ist an der Zeit, alte Gewohnheiten abzulegen und neue Wege zu beschreiten. Die Zukunft des Handels ist interaktiv, sozial und digital – und Livestream-Shopping ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Zukunft. Händler müssen jetzt handeln und sich auf diesen Wandel vorbereiten, um im Wettbewerb erfolgreich zu bleiben und die Erwartungen ihrer Kunden zu erfüllen.


In Kürze erfährst Du mehr zu den Themen Livestream-Shopping und Social Commerce:

Mit „Das große Social Commerce Kompendium 2024“ steigen wir tief in die Materie ein. Welche Zielgruppen finde ich im Social Commerce, wie nutze ich als Händler Livestream-Shopping, wie setze ich das in der Praxis um, auf welche Produktsegmente sollte ich mich konzentrieren, wie baue ich meine Social Commerce Präsenz auf, wie übertrage ich Traffic auf andere Kanäle und nutze Synergieeffekte … über diese und viele weitere Fragen informieren wir ausführlich und praxisnah, damit der Einstieg in den Verkauf via Social Commerce und Livestream Shopping schnell und erfolgreich gelingt.

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Über die Autor*innen

Andreas Frank

Andreas Frank ist ein Pionier der deutschen Digitalwirtschaft, hat seit 1992 mehrere Internetfirmen mit Erfolg gegründet und ist an acht Exits beteiligt. Er wohnt in Palma de Mallorca und führt seine auf digitale Geschäftsmodelle spezialisierte FrankVestor GmbH in Hamburg. Frank ist ausgebildeter Werbekaufmann und hat Marketing, Kommunikation und Wirtschaftsrecht studiert. Er ist als Berater, Investor und Redner tätig und engagiert sich seit vielen Jahren im Expertenrat des Händlerbundes.